Bist du ein Grenzgänger?

Das Wort Grenzen – wie fühlt sich das für dich an? Eher nach Trennung, nach Zurückziehen oder aber auch nach einem Hauch von Freiheit, Liebe? Ich finde, es kann beides in sich vereinen, wenn man die richtige Mischung findet. Und natürlich hat es, wie immer einen aktuellen Anlass, dass ich diesen Artikel heute hier veröffentliche. Denn ich merke bei mir, dass wenn ich meine eigenen Grenzen nicht sehr klar nach außen kommuniziere, sie öfter mal übertreten werden.  Das hat dann zur Folge, dass ich in diffusen Gefühlen festhänge und ich mich nicht wohl fühle.

Dann wird etwas in Gang gesetzt und da kann ich oft nur staunend daneben stehen und den Kopf schütteln. Vielleicht kennst du das auch bei dir?

Diese Gefühle, dass etwas nicht so planmäßig läuft und dass jemand versucht, Grenzen bei uns zu überschreiten haben wir oft in unserem Alltag. Es stellt sich dann immer die Frage, inwieweit wir das zulassen oder wo spontanes Umdenken auch mal richtig Freude bereitet.

Grenzen – innere und äußere

Ich will dir mal ein recht geläufiges Beispiel nennen: Ich plane mir meinen einigermaßen, für mich annehmbaren Tag und wie ich Arbeit und alles andere unter einen Hut bringe 🙂 Und dann kommt meine Familie mit Terminen, die ich so noch nicht auf dem Radar hatte oder aber mein Partner hat eine supergute Idee, was wir heute noch unternehmen könnten (natürlich rein spontan) und ich fühle mich sehr in einer Zwickmühle. Ich weiß, was zu erledigen ist, damit ich mich wohlfühle und ich bin gleichzeitig aber auch bei den anderen mit ihren Belangen. Das zieht in gewisser Weise an mir. Innerlich und äußerlich. Ich muss also eine Entscheidung treffen oder vermutlich gleich mehrere und weiß, jemand ist dann enttäuscht.

Nun gibt es natürlich aber auch Grenzüberschreitungen, die nicht so relativ harmlos daherkommen, wie ich im Beispiel beschrieben habe. Das hat dann schon etwas mit Manipulation zu tun, jedoch muss man auch das immer von beiden Seiten aus sehen, da es ja auch hier kein Opfer und keinen Täter gibt. Wir stellen uns lediglich für diese Erfahrung einmal mehr zur Verfügung und drehen eine weitere Runde. Doch je bewusster wir werden in unserem Leben umso deutlicher und auch schneller können wir erkennen und daraus lernen.

Für mich habe ich festgestellt, dass ich immer dann, wenn ich meine Grenzen nicht klar ausdrücke, sehr schnell Enttäuschung, Wut oder Trauer fühle. Das schleudere ich dann meinem Gegenüber entgegen, so dass er erstmal eine volle Breitseite abbekommt oder evtl. beginnt auch noch das Spiel mit dem schlechten Gewissen.

Als ich das einmal durchschaut hatte, wurde ich aufmerksam. Denn es war erstaunlich wie schnell sich meine Gefühle auflösen konnten, wenn ich mich klar entschieden hatte und meine Grenzen auch für die Umwelt sichtbar wurden. Und auch meine Mitmenschen konnten natürlich sehr viel besser damit umgehen. Also alles in allem ein Gewinn.

Doch warum machen wir es uns dann so schwer mit den Grenzen?

  • Weil wir Liebe wollen – und immer noch von außen. Wir wollen beliebt sein, wir wollen geliebt sein und nicht anecken.
  • Weil wir unsere Grenzen selbst nicht so genau kennen. Wir nehmen uns nicht so viel Zeit für unsere Bedürfnisse und daher ist es auch ganz selbstverständlich, dass wir oft zulassen, dass andere unsere Grenzen ausloten
  • Weil wir aus unserer Kindheit noch eine Menge Ballast mittragen. Wir haben unterschiedliche Dinge in unserer Kindheit erlebt und oftmals wurden unsere Grenzen nicht respektiert
  • Weil wir gelernt haben, dass wir selbst auf keinen Fall an erster Stelle kommen dürfen – denn sonst bist du ein Egoist und das willst du doch sicherlich nicht sein
  • Weil wir keinen Konflikt austragen und aushalten können ohne gleich eine tiefe Verlustangst zu spüren

Ich finde es wichtig, dass wir uns innerlich in unserem Selbstwertgefühl immer wieder stärken, um liebevoll aber bestimmt NEIN sagen zu können!

Um nochmals auf mein obiges Beispiel zurückzukommen – es wird mal wieder der Testlauf in Gang gesetzt und die Prüfung geht los: Na, wie sieht es aus – kannst du klar deine Grenzen abstecken, dich selbst wahrnehmen, aber auch den anderen mit seinen Bedürfnissen liebevoll annehmen? Was hilft mir dann wirklich?

So banal es sich jetzt auch anhören mag – Tief durchatmen

Lass dich nicht darauf ein, gleich eine Antwort zu geben oder eine Reaktion zu zeigen. Zeig deinem Gegenüber, dass du für einen kurzen Moment alleine sein willst und nimm dir die Zeit. Und sei es auch nur für 5-10 Minuten. Denn das verändert deine Sichtweise!

  • Atmen und mit deinen Wurzeln verbinden
  • Augen schließen
  • Alles was jetzt im Moment auf dich einströmt und an dir zieht, darf zwar da sein, ist aber nicht im Vordergrund
  • Du spürst dich ganz intensiv immer mehr in deiner Mitte und genau dort verweilst du.
  • Schenke dir ein offenes Herz
  • Lass die Liebe in dein Herz hineinfließen
  • Nehme wahr, wie sich alles in dir noch mehr öffnet und ausdehnt und du eine richtig gute Beziehung zur dir selbst hast
  • Und nun ist es Zeit für deine Grenzen – innere und äußere
  • Lass dir Zeit für die Betrachtung und lass dir Zeit deine Gefühle wahrzunehmen – ohne Wertung
  • Vielleicht darf sich etwas verschieben, du kannst etwas loslassen, eine neue Sichtweise kommt hinzu – Grenzen öffnen sich
  • Atme wieder tief durch und fühle die bedingungslose Liebe in deinem Herzen
  • Alles ist gut so wie es ist und…du öffnest deine Augen

Was sich hier wie ein Schnelldurchlauf liest, darf wirklich so geschehen. Versuch es einfach beim nächsten Mal selbst, bevor du wieder das bereits Altbekannte erlebst.

Denn bei unseren Grenzen geht es ja auch um Freiheit und Liebe. Wenn ich aus einem offenen Herzen heraus liebevoll meinem Gegenüber sagen kann, was ich akzeptieren kann und was nicht, dann eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten. Denn dann erfährst du auch etwas über die Grenzen und die Gefühle des anderen und gemeinsam könnt ihr dann neue Wege beschreiten.

Ich freue mich sehr auf deinen Kommentar und wie du mit deinen „Grenzerfahrungen“ umgehst.

Herzensgrüße

Silvia

 

 

 

 

 

 

 

5 Kommentare, sei der nächste!

  1. Hallo Silvia,

    ja, ich bin ein Grenzgänger auf mehreren Ebenen.

    Ich gehe an meine eigenen Grenzen, um mich selbst heraus zu fordern und zu testen. Um an mir selbst neue Dinge zu lernen und andere Dinge zu durchbrechen. Dadurch wachse ich an mir selbst.

    Ich gehe an die Grenzen anderer, um zu sehen wie weit ich gehen kann und was ich machen kann. Denn jeder Mensch tickt anders und ich kann nicht jeden Menschen gleich behandeln, weil jeder ein anderes Verständnis hat für Grenzen bei den verschiedensten Themen, die durch die persönlichen Erfahrungen geprägt wurden und werden.

    Ich lasse oft Grenzen bei mir überschreiten, um einfach zu schauen wie ich damit umgehe. Was ich mache und denke. Was ich vielleicht anders machen muss lernen ich dann auch. Man merkt, dass gewisse Menschen diese grenzen durchbrechen dürfen und andere wiederum dürfen diese nicht mal mit der Fingerspitze berühren.

    Ich finde das ist ein kleiner Spielplatz… diese Grenzen… Da kann man viel mit Anfangen.

    Liebe Grüße aus Hamburg,
    Dennis

    1. Hallo Dennis,
      vielen Dank für deine interessanten Sichtweisen zum Thema Grenzen. Ich glaube, das hat ganz viel mit Achtsamkeit sich selbst gegenüber zu tun. Und so können wir dann auch auf unsere Mitmenschen zugehen und sensibler deren Grenzen wahrnehmen.

      Liebe Grüße
      Silvia

  2. Danke für diesen tollen Artikel mit viel Mehrwert 🙂

    Es ist wirklich soooo wichtig Grenzen zu setzen. Wenn ich nicht für mich sorge und meine Grenzen schütze, werde ich sauer auf die Menschen, die meine Grenzen überschreiten. Aber in Wirklichkeit lag der Fehler bei mir…

    Alles Liebe,
    Mara

  3. Liebe Silvia,

    ein sehr berührender Artikel, danke!

    Ich kenne das sehr gut, mit den Grenzüberschreitungen und darf auch immer wieder schauen, dass ich mir selbst nicht zu viel auflade. Ich werde aber immer besser darin 🙂

    Meine beiden kleinen Kindern sind mir da ein hilfreicher Spiegel – wenn sie nörgelig sind, dann habe ich gelernt, zunächst bei mir zu schauen, wie es um meine Energie steht. Und oft bin ich diejenige, die gestresst ist. Sobald ich aus diesem Gefühl der Überforderung heraustrete, verwandelt sich die ganze Energie ins Positive – bei mir und meinen Kindern!

    Alles Liebe,
    Petra

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