Die Schale öffnen – traust du dich?

Hast du in diesem Jahr schon Kastanien gesammelt? Also ich freue mich immer darüber, wenn ich bei uns im Dorf unter dem großen Kastanienbaum noch welche finde. So richtig braun glänzend, vielleicht noch in der aufgebrochenen Schale liegen sie vor mir auf dem Boden. Früher haben meine Töchter und ich auch viele kleine Dinge daraus gebastelt. Richtige Schätze sind entstanden und auch auf dem Jahreszeitentisch bei uns zuhause lagen stets einige Kastanien.

Ich kann mich aber auch noch daran erinnern, dass mir ein Bekannter einmal eine Kastanie in einer geschlossenen Schale einfach zugeworfen hat. Ich habe sie reflexartig aufgefangen und du kannst dir sicherlich vorstellen, dass ich nicht so sehr erfreut darüber war. Denn die Stacheln haben wir schon einige Schmerzen bereitet.

Wie stachelig ist deine Schale, dein Panzer?

Denn da sind wir auch schon beim Thema. Wie du sicherlich schon bei mir bemerkt hast, nehme ich sehr gerne die Natur als Beispiel. Einfach weil ich finde, dass wir dort sehr viel lernen können. Ich fühle mich total wohl in der Natur, bin gerne draußen und mag eigentlich jede Jahreszeit. Dieser Wandel über das ganze Jahr spiegelt sich auch in mir wieder.

Ein ewiger Kreislauf der Schöpfung, von Geburt über das volle Erblühen hin zu Vergänglichkeit, dem Absterben, dem Tod. Und aus dem Tod heraus die Neugeburt. Von Ruhe, Innehalten und dann dem Öffnen und nach außen gehen, sich zeigen. Hier gibt es auch eine wunderschöne TagesInspiration dazu, die du dir jetzt anhören darfst – und wie immer mit einer kleinen Meditation zum Innehalten.

Die Schale öffnen

 

 Ich glaube, dass es sehr wichtig ist, zu erkennen wo wir noch an unserer Schale festhalten und warum. Und warum wir oft noch Stacheln zeigen, obwohl es vielleicht gar nicht nötig wäre. Denn wir sind ja nicht erst seit heute hier in unserem Körper. Wir haben so viele Erfahrungen, dir wir mit uns herum tragen und von denen wir unserer Leben bestimmen lassen.

Und doch ist oft in uns die Sehnsucht nach diesem inneren Kern, nach dem Schatz in uns. Und auch eine Sehnsucht, uns einfach mal fallenzulassen, loszulassen und nicht immer vieles zu verstecken oder nach außen taff zu wirken. Dazu möchte ich dich heute mit meiner TagesInspiration einladen.

Denn all unsere Beziehungen, die wir eingehen in diesem Leben, jedes Zusammentreffen mit anderen Menschen wird davon erfüllt, wenn wir uns öffnen. Es kann nicht funktionieren, solange wir unsere Stacheln zeigen und in unserer dicken Hülle sitzen. So prallt Schale auf Schale – Panzer auf Panzer und es ist wie ein Zurückprallen anstatt ein Verschmelzen. Du kannst das bestimmt sehr gut nachvollziehen.

Wichtige Hinweise und Helfer: Deine Gefühle, deine Gedanken, deine Ängste

Es ist nicht leicht, sich von seiner Schale zu befreien und loszulassen. Da wir lange gut darin versteckt waren und es oft als selbstverständlich angesehen haben, ist es einfach ein Prozess auf den wir uns einlassen dürfen. Und so merkwürdig es sich vielleicht anhören mag, unsere Gefühle, Gedanken und Ängste sind ganz tolle Türöffner.

Wenn wir ihnen mal bewusst zuhören, und ich meine jetzt wirklich bewusst, nicht nur so nebenbei, dann lernen wir uns immer besser kennen. Wir bemerken, in welchen Situationen unsere Schale besonders dick ist, wann sie sich vielleicht schon ein bißchen öffnet und wann sie sich ganz schnell wieder schließt und die Stacheln zeigt.

Das wertfreie, bewusste Zuhören, Fühlen und Sein-Lassen darf dir die kostbaren Momente deines Lebens schenken, in denen zu erkennst, dass du die Schale selbst aufgebaut hast. Und genauso kannst du sie Schritt für Schritt wieder öffnen, weicher und durchlässiger werden lassen. Und schließlich darf sie sich ganz verabschieden.

Was dann zum Vorschein kommt? DU – einfach nur DU!

Das ist dein Ausgangspunkt, dein Verschmelzen mit dir selbst, dein Erkennen von dir selbst, deine Wertschätzung für DICH selbst und dein So-Sein. So zeigst du dich dir selbst, wie die Früchte in der Natur. Jetzt ist Erntezeit, wenn du magst. Du kannst dir selbst diese Einladung dazu schenken.

Es ist ein wunderbarer Weg, wenn wir uns darauf einlassen, wenn wir ihn gehen möchten. Und ich würde mich sehr freuen, wenn du mir deine Erfahrungen damit mitteilst. Wie gehst du mit deiner Schale um – kannst du sie wahrnehmen – kannst du dich öffnen? Oder nimmst du die Schale deines Gegenübers wahr? Was macht das mit dir – mit deinen Begegnungen – Beziehungen?

Herzensgrüße

Silvia

5 Kommentare, sei der nächste!

  1. Schöner Vergleich! Meine Schale hat sich in den letzten Jahren schon recht weit geöffnet, muss ich mal wieder genauer hinschauen. Oft hat sich die Schale auch gegen mich selbst gewandt indem ich mich vor meinen eigenen Gefühlen abgeschottet hatte, ist zurzeit eine interessante Beobachtung wie die Gefühle wieder kommen dürfen und ich gleich wieder beginne sie abzuwehren….

    1. Hallo Sepp,
      sehr interessant wie du das beschreibst, wenn man gleich wieder beginnt, sich gegen die eigenen Gefühle zu wehren. Ich glaube es ist ein lebenslanger Prozess, dass wir bewusst bleiben und immer genau hinfühlen.

      Danke und herzliche Grüße
      Silvia

  2. Wow, die Metapher von der Schale ging bei mir gerade tief. Mir ist aufgefallen ,dass ich in den letzten Jahren meine SCHALEN nacheinander wegschäle. Die Vorraussetzung dafür war das Vertrauen in das Leben und das Universum.
    Frühere Wunden sind verheilt und neuen Angriffen weihe ich immer müheloser aus. Sie bleiben einfach nicht haften. Je weniger das Ego dominiert, desto mehr bin ich TEFLON-BESCHICHTET 🙂

    Der weiche Kern der Kastanie ist einfach viel verletztlicher als die stachelige Schale. Aber die Kastinie muss sich entschälen, um zum Baum werden zu können.
    Danke 🙂

    1. Hallo David,

      vielen Dank für deinen wertvollen Kommentar. Ja, Vertrauen in das Leben und das Universum oder den göttlichen Ursprung (ganz egal wie wir es nennen) ist die Voraussetzung, dass wir überhaupt unsere Schalen loslassen können. Dass wir uns verletzlich zeigen können. Und ja – wir bieten weniger Angriffsfläche im Außen, je mehr wir mit unserem inneren weichen Kern verbunden sind und aus unserer Essenz heraus leben.
      Wachstum ist nur möglich, wenn wir dem Samen die Gelegenheit geben sich zu zeigen und in der Erde seine Wurzeln zu bilden 🙂

      Herzensgrüße
      Silvia

  3. Ich glaube, besonders bei der Partner suche und in einer Beziehung kommt die eigene Schale ziemlich gut zur Geltung. Alles, was mit Liebe, Zuneigung und Vertrauen zusammenhängt, ist sehr emotional geladen. Jeder hat schon Erfahrung mit Zurückweisung und Verletzt-werden, und so haben sich unterschiedlich dicke Schalen entwickelt. Der eine wurde vielleicht weniger oft und tief verletzt und hat daher eine dünnere Schale, die er schneller öffnet. Der andere hat aber vielleicht schon viele negative Erfahrungen gemacht und ist deshalb eine besonders harte Nuss.
    Will man aber einen neuen Partner finden und wahres Liebesglück erleben, muss man sich aus dieser Schutzposition hervorwagen. Auch wenn das Öffnen der Schale immer ein Risiko mit sich birgt, ist es die Überwindung auf jeden Fall wert!

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